Online-Petition: Lange Straße – fahrradfreundlich!

Radfahren in Rostock muss entspannt und sicher für alle Menschen möglich sein. Dies ist der Kern des Bürgerbegehrens “Radentscheid Rostock”.

Um sofort und sehr konkret eine erste Konfliktzone in der Innenstadt zu verbessern, wenden wir uns mit dieser zusätzlichen Petition als Radentscheid Rostock zusammen mit Greenpeace Rostock und dem Verkehrsclub Deutschland – Ortsgruppe Rostock an den Senator für Infrastruktur, Umwelt und Bau Holger Matthäus: Setzen Sie sich dafür ein, dass ein Zweirichtungsradweg in der Langen Str. ein vom Autoverkehr getrenntes sicheres Radfahren möglich macht!

Warum eine Umgestaltung der Langen Straße notwendig ist:

Vor ca. 2 Jahren wurde der Radfahrstreifen in der Langen Straße der Hanse- und Universitätsstadt Rostock aufgehoben. Begründet wurde die Aufhebung mit Unfällen und Konflikten, so etwa, wenn parkende Kfz in schräg angeordneten Parkbuchten beim Ein- und Ausparken den Radfahrstreifen kreuzten. Seit dem werden Radfahrende und Kfz im Mischverkehr geführt, was die Gefahr für Radfahrende aber nicht mindert.

Die Fahrbahnbreite reicht nicht aus, um Radfahrende mit mindestens 1,5 m Abstand zu überholen: Es kommt zu Bedrängungen, Hupen, brenzligen Überholmanövern und sogar Unfällen mit Personenschaden. Das führt dazu, dass sich viele Radfahrende nicht trauen, die Fahrbahn zu nutzen, sondern regelwidrig auf der gesperrten Radfahrspur fahren, was ihnen im Falle eines Unfalles mit einem parkenden Kfz eine Mitschuld gibt. Andere weichen auf den Gehweg aus, was zu Konflikten mit Fußgänger*innen führt.

Der Radentscheid Rostock und Greenpeace Rostock haben deshalb in der Vergangenheit durch verschiedene Aktionen auf die Missstände aufmerksam gemacht. Mehrfach wurde mit Poolnudeln [1] wurde der Mindestüberholabstand veranschaulicht, woraus für Autos ein Überholverbot folgt: Es ist schlichtweg zu wenig Platz zum regelkonformen Überholen. Auch wenn daraufhin von der Stadt grüne Verkehrszeichen, mit dem Hinweis Radfahrende mit 1,50m Abstand zu überholen, aufgestellt wurden, bleibt der Irrtum, dass man überhaupt überholen darf. Auf entsprechende Kritik hin wurden diese Schilder somit wieder entfernt.

Des Weiteren wurde vom Radentscheid Rostock ein öffentlicher Workshop veranstaltet, eine fahrradfreundliche Version der Langen Straße zu entwickeln.

Die Ergebnisse daraus wurden beim Klimaaktionstag in der Langen Straße im September 2019 vorgestellt. [2]

Bei der Auswahl aus 2 vorgestellten Varianten haben sich ca. 1000 Personen offline und online via Social Media geäußert, welche Variante sie bevorzugen würden. Die Mehrheit stimmte für einen Zweirichtungsradweg auf der Fahrbahn zur Innenstadt hin, sodass Radverkehr und Autoverkehr zukünftig voneinander getrennt sind.

Außerdem waren Vertreter:innen des Radentscheids im Dezember 2019 im Ortsbeirat Stadtmitte zu Gast, um die Ergebnisse vorzustellen. Auch hier gab es überwiegend positive Resonanz.

Seitdem gibt es jedoch von Seiten der Stadt Rostock keine Entwicklung, um die Situation vor Ort zu entschärfen.

Und dies obwohl eine Neuaufteilung des öffentlichen Raums dringend notwendig ist: Immer mehr Menschen fahren mit dem Rad und müssen die Möglichkeit haben, egal ob alt oder jung, sicher durch die Innenstadt fahren zu können.

Unterschreiben Sie für ein bequemes und sicheres Radfahren durch die Stadtmitte, parallel zur Einkaufstraße „Kröpeliner Straße“. Unterschreiben Sie für Lebensqualität auf den Straßen – mehr Platz und weniger Abgase beim Radeln! Schaffen wir gemeinsam eine gerechte Infrastruktur in unseren Städten!

[1] radentscheid-rostock.de/2018/11/19/poolnudel-aktion-in-der-lange-strasse-rostock/

[2] radentscheid-rostock.de/2019/10/27/lange-strasse/

Begründung

Die südseitige Fahrbahn der Langen Straße wird für den Kfz-Verkehr gesperrt und zu einer Fahrradstraße, die beidseitig befahrbar ist. Dadurch reichen Zebrastreifen statt Ampeln an den Fußquerungen. Der Kfz-Verkehr findet ausschließlich auf der nordseitigen Fahrbahn beidseitig statt.

Ein Teil der wegfallenden Parkplätze kann eventuell durch den Wegfall der Quader zur Tramseite kompensiert werden.

Außerdem wird ein weiterer Durchbruch der Tramlinie auf Höhe Jacobi-Kirche nötig, damit das Parkhaus auf dieser Seite noch erreichbar ist.

Vorteile:

  • Trennung der Verkehrsarten durch Fahrradstraße, die durch Kfz nicht befahrbar ist
  • Radfahrende atmen weniger Abgase ein und ein Überholen ist sicher möglich
  • Platz für andere Nutzungen wird frei

Die Petition kann direkt hier unterschrieben werden:



Kidical Mass #4 am 20.09.2020

Klappe, die vierte! Nach dem tollen Erfolg der ersten Rostocker Kidical Masses in 2019 und 2020 wollen wir zum vierten Mal gemeinsam durch die Straßen der Hansestadt fahren und allen Kindern die Gelegenheit bieten, für ihr Recht auf ein sicheres Radwegenetz zu demonstrieren. Mit der Idee der ‚Critical Mass‘ wird einmal im Monat in vielen Städten der Welt für bessere Radfahrbedingungen protestiert. Am Sonntag, den 20. August 2020, wollen wir vom Neuer Markt aus auf eine gemütliche und kinderfreundliche Route durch Rostock aufbrechen, bei der es wieder heißt: ‚Kinder auf’s Rad!‘ Liebe Kinder, bringt auch gleich eure Geschwister, Eltern und Großeltern mit.

Egal, ob im Lastenrad, auf dem Kindersitz, Fahrradanhänger oder schon alleine unterwegs: kommt vorbei – denn wir wollen zeigen, wer im Stadtverkehr dringend besseren Schutz durch sichere und moderne Radwege braucht. Wenn sich alle auf den Fahrradwegen Rostocks wohlfühlen und zügig vorankommen, heißt das auch: weniger Autostaus, Dreck und Lärm, und mehr Platz und eine gesündere Umwelt für uns alle. Lasst uns gemeinsam unsere Stadt aktiv gestalten!

Wir vom Radentscheid Rostock freuen uns auf euch!

Offener Brief an den Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock: Fahrradstadt Rostock erfordert Taten statt Worte!

Da unser Brief vom 12. August 2020 an Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen leider unbeantwortet geblieben ist und trotz seiner vielfachen Ankündigung der „Fahrradstadt Rostock“ keine konkreten Maßnahmen erfolgen, um die Situation für Radfahrer*innen in Rostock zu verbessern und Gefahrenstellen zu beseitigen, sehen wir uns gezwungen, mit diesem Brief an die Öffentlichkeit zu gehen.

Lieber Claus, 

8366 Bürger*innen unserer Stadt haben für die Ziele des Radentscheids unterschrieben und fordern die Fahrradstadt Rostock. Auch du bezeichnest die Fahrradstadt Rostock gegenüber der Presse immer wieder als deine wichtigste Priorität. Nicht zuletzt hat die Bürgerschaft der Stadt Rostock im November 2019 den Beschluss gefasst, dass die Stadt Rostock die Ziele des Radentscheids übernimmt und die dir unterstellte Stadtverwaltung mit der Umsetzung beauftragt.

In der ersten gemeinsamen Verhandlungsrunde mit der Stadt habe wir uns gemeinsam auf eine Liste von Sofortmaßnahmen geeinigt, welche schnellstmöglich umgesetzt werden sollen. Wir freuen uns darüber, dass die Verwaltung umstrukturiert und das neue Amt für Mobilität geschaffen wurde, um Rostock schneller und effektiver zur Fahrradstadt zu machen. 

Leider hat sich jedoch aus unserer Sicht in den letzten Monaten auf Rostocks Straßen nichts verbessert. Uns ist bewusst, dass die komplette Planung und der Bau eines Radwegs einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Allerdings gibt es zahlreiche Maßnahmen – von denen viele auch als Sofortmaßnahme verabschiedet wurden – die innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen umgesetzt werden könnten. Dazu zählen z.B. Tempo 30 an besonders gefährlichen Straßen ohne einen separaten Radweg (z.B. Carl-Hopp Straße, Hundertmännerstraße), die Aufstellung der neuen Überholverbotsschilder z.B. in der Langen Straße und die Errichtung von Pop-up Bike Lanes unter Nutzung von überflüssigen Pkw-Spuren oder Parkplätzen. 

Wir vermissen von der Rostocker Verwaltung ein klares Signal, dass es wirklich ernst gemeint ist mit der Fahrradstadt Rostock. Hierzu zählt zum Beispiel auch, dass Baustellen so abgesichert werden, dass Radfahrer*innen nicht dadurch in Lebensgefahr gebracht werden, dass Schutzstreifen abrupt enden und ein plötzlicher Wechsel in den Kfz-Verkehr nötig ist. Es kann nicht sein, dass solche Selbstverständlichkeiten erst auf massiven öffentlichen Druck hin umgesetzt werden.

Überall auf der Welt und in Deutschland gibt es Städte, die zur Zeit konsequente und mutige Schritte hin zu einer gerechteren Aufteilung des Verkehrsraums und einer lebenswerten Stadt unternehmen. Wie sich in Paris gezeigt hat wird das von den Menschen auch bei Wahlen honoriert. Es ist alleine eine Frage des politischen Willens auch in Rostock endlich mit einer wirklich fahrradfreundlichen Politik zu beginnen.

Wir fordern dich auf, den Bürgerschaftsbeschluss und somit die Ziele des Radentscheids schnellstmöglich umzusetzen. 

Ganz konkret haben wir folgende Forderungen:

  1. Umsetzung der 10 Ziele des Radentscheids
  2. In Verhandlungen mit der Stadt haben die Stadtverwaltung und Vertreter*innen des Radentscheids, ADFC und des Fahrradforums eine Liste mit Sofortmaßnahmen erarbeitet. Diese Sofortmaßnahmen betreffen akute Gefahrenstellen im Rostocker Verkehr, die wie der Name schon sagt, sofort beseitigt werden müssen. Wir fordern dich auf, die Umsetzung dieser Maßnahmen sofort zu veranlassen. 
  3. Die Schaffung von Pop-Up-Radwegen an Straßen ohne bzw. mit sehr schmalem Radweg: Parkplätze und Kfz-Spuren werden zu Radwegen. Dass diese Pop-Up-Radwege rechtssicher umzusetzen sind, hat mittlerweile auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags in einem aktuellen Gutachten bestätigt.
  4. Erarbeitung eines Planungsleitfadens für zukünftige Radinfrastruktur in Zusammenarbeit mit Vertreter*innen des Radentscheids, Festlegung von Mindeststandards
  5. Die Baustellensicherung in Zukunft für Radverkehr und Fußgänger*innen sicher machen. Dazu sollten in Zusammenarbeit mit uns Standards festgelegt werden. Aktuell noch bestehende Gefahren müssen umgehend beseitigt werden.
  6. Darüber hinaus steht der lange angekündigte Runde Tisch zur Langen Straße aus. Dieser muss umgehend durchgeführt werden. Die Situation in der Langen Straße ist nicht länger haltbar. Bis zur Umgestaltung der neuen Straße muss sofort das neue “Überholen von Radfahrern verboten”-Schild aus StVO-Novelle aufgestellt werden.

Sollten wir bis zum 18.08.2020 keine Antwort von dir erhalten oder sollten sich die Bedingungen für den Radverkehr in den nächsten acht Wochen nicht spürbar verbessern, bleibt uns nur, die Unterschriftensammlung für die Ziele des Radentscheids fortzusetzen und einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

Lass Rostocks Radverkehr nicht baden gehen!

Die Vertreter*innen des Radentscheid Rostock

offener Brief an Umweltsenator: Mobilitäts- und Umweltorganisationen unterstützen die Pläne für eine neue Art der Mobilität in Warnemünde

Sehr geehrter Herr Umweltsenator Matthäus,

wir schreiben Ihnen heute, um unsere Zustimmung zu Ihren Plänen, die wir aus dem Artikel “Warnemünde bald ohne Autos im Zentrum? So soll es funktionieren” in der Osteezeitung vom 14.07.2020 entnommen haben, zu signalisieren. Ihr Vorhaben ist ein Segen für die Stadt. Die Vision der Hanse- und Universitätsstadt Rostock den Stadtteil Warnemünde durch ein geändertes Mobilitätskonzept zu einem autoarmen Stadtteil umzugestalten, ist der Weg in die richtige Richtung. Warnemünde hat damit die einmalige Chance sich als Vorreiter der Urlaubsorte zu zeigen und seinen Gästen eine Stadt für Menschen zu präsentieren. 

Die Bauweise unserer Städte beeinflusst direkt das Wohlbefinden der Einwohner:innen. Menschen, die an weniger befahrenen Straßen leben, haben ein breiteres soziales Umfeld. Als Kind auf dem Gehweg zu spielen, oder sich mit Bekannten an der Ecke zu unterhalten wird durch das hohe Verkehrsaufkommen empfindlich gestört. Eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens steigert somit umgehend das Sozialkapital, denn durch den gewonnenen Raum entsteht mehr Platz für Gemeinschaft.  

Durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) werden giftige Partikel in unsere Städte eingebracht. Jede Reduzierung von Feinstaub und Stickstoffdioxid ist zwingend erforderlich, um unsere Städte lebenswert zu machen und unsere Gesundheit zu schützen. Denn Luftschadstoffe sind direkte Indikatoren für Asthma und weitere chronische Lungenerkrankungen sowie Diabetes und Schlaganfälle.

Neben Schadstoffen ist der MIV auch eine erhebliche Quelle für Lärmbelästigungen in unseren Städten. Lärm ist ein zusätzlicher Stressfaktor, welcher ab 80 db zu gesundheitlichen Langzeitschäden führen kann.

Die globale Klimakrise macht es erforderlich in erheblichen Ausmaße CO₂ einzusparen. Der Verkehrssektor ist mit ca. 18% auf Platz 3 der CO₂-Emittenten in Deutschland. Über die letzten Jahre ist innerhalb des Verkehrssektors jedoch keine Bereitschaft zu erkennen, einen Beitrag zu leisten, den CO₂-Ausstoß zu senken und die Klimaschutzziele zu erreichen. Obwohl es bereits jetzt viele Alternativen gibt. 

40% der Autofahrten liegen unterhalb von 5 km und 10% sogar unter 2 km. Diese Entfernungen sind prädestiniert für den Rad- und Fußverkehr. Durch Ihre Pläne, den MIV in Warnemünde zu reduzieren, stärken Sie gleichzeitig eine CO₂-freie Mobilität und diejenigen die trotzdem auf das Auto angewiesen sind, können sich auf ein geringeres Verkehrsaufkommen in Warnemünde freuen. Mit Ihren Plänen können Sie ein lokales Umdenken bewirken und zeigen, dass eine Verkehrswende möglich ist, nach dem Motto: „think global, act local“.

Auch der örtliche Einzelhandel wird von dieser Idee profitieren. Der Einzelhandel lebt in erheblichen Umfang von seiner lokalen Laufkundschaft. Der Werbeeffekt von Schaufenstern, um spontan in ein Geschäft zu gehen, greift jedoch nicht, wenn die Menschen mit dem Auto fahren. Angesprochen werden damit Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen. Hinzu kommt, dass ein Umstieg auf eine emissionsfreie Fortbewegung direkt das Einkommen der Menschen schont. Das daraus verfügbare zusätzliche Budget kann damit lokal in den Erwerb von Konsumgütern fließen. 

Mit Umsetzung Ihrer Pläne können sich die Einheimischen und die Besucher:innen

in Warnemünde über eine Reduzierung von Lärm, Stau und Luftverschmutzung freuen. Darüber hinaus steigert sich durch eine Reduzierung und Tempoverringerung des MIV automatisch die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer:innen. Ziel muss es sein, dass in Warnemünde und in ganz Rostock kein Mensch mehr im Straßenverkehr sterben muss oder schwer verletzt wird. Dass das möglich ist zeigen Städte wie Oslo oder Helsinki. 

Nach unserer Auffassung ist eine wirkliche Verbesserung der Verkehrssituation in Warnemünde nur möglich, wenn diese groß gedacht wird, um nicht in der Diskussion um die Einzelmaßnahmen das Ziel aus den Augen zu verlieren. Diesen großen Wurf haben Sie mit diesem Plan nun öffentlich gemacht und damit zur Debatte gestellt. Wir unterstützen Sie in diesem Vorhaben und stehen bei der Verwirklichung des Ziels “Warnemünde autoarm” hinter Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen 

Christoph Neimög
Radentscheid Rostock
Dr. Anette Boog
BI Rettet den Küstenwald
Annika Haß,
VCD OG Rostock
Greenpeace RostockXR, OG RostockRostock for Future
Michael Reitz
ADFC Rostock e.V.
Susanne Schumacher
BUND Rostock
Juliane Bäthge
NABU-Regionalverband
Mittleres-Mecklenburg e.V.

Offener Brief an Verkehrsminister: Radentscheide und Initiativen fordern umgehend Corona-sichere Rad- und Gehwege

Sehr geehrter Herr Minister Pegel,

die Coronakrise und die Kontaktbeschränkungen verändern die persönliche Mobilität aller Menschen in Deutschland deutlich. Während der private Autoverkehr stark zurückgegangen ist, sind – auch der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers folgend – immer mehr Menschen auf dem Rad und zu Fuß unterwegs. Für diese spürbaren Veränderungen der Verkehrsmittelwahl ist die Raumaufteilung auf der Straße jedoch nicht ausgelegt. Damit der empfohlene Sicherheitsabstand auf der Straße eingehalten werden kann, braucht es daher dringend eine schnelle Veränderung der Aufteilung des Straßenraums. 


Bürgerinnen und Bürger, die jetzt aufs Rad umsteigen, brauchen leicht zu findende und sichere Wege. Auch Fußgängerinnen und Fußgänger brauchen dringend mehr Platz auf den Gehwegen, um den Sicherheitsabstand einhalten zu können. Nur so können notwendige Wege sicher zurückgelegt werden. Auch wenn die Verantwortung für die Umsetzung auf kommunaler Ebene liegt, geht es nicht ohne den Bund und die Länder – es geht nicht ohne Sie und Ihren Beitrag! Sie als Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung können den Kommunen mit entsprechenden Leitfäden und gesetzlichen Rahmenbedingungen helfen.

Wir bitten Sie daher: Setzen Sie sich dafür ein, dass Kommunalverwaltungen schnell und einfach ein rad- und fußverkehrsfreundliches Straßennetz innerhalb und zwischen den Kommunen einrichten können. Schaffen Sie die regulatorischen Rahmenbedingungen, damit Straßen schnell und unproblematisch umgestaltet werden können. Geben Sie aus der Landespolitik das Signal, dass Verkehrspolitik ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit der Menschen ist! 

Die Kommunen kennen geeignete Straßen und Wege, um ein Netz pandemiegerechter Straßen einzurichten. Mit der Unterstützung der Landespolitik können diese trotz geringer personeller Kapazitäten baldmöglichst Realität werden. Dafür braucht es Rechtssicherheit für die zu ergreifenden Maßnahmen. Nur so kann schnell agiert werden. 

Wir bitten Sie daher, die Kommunalverwaltungen durch die zügige Bereitstellung von Leitfäden bei der provisorischen Umgestaltung von Straßen zu unterstützen, um sicheren Fuß- und Radverkehr zu ermöglichen. Wo die rechtlichen Rahmenbedingungen dies noch behindern, bitten wir Sie, entsprechende Verordnungen zu erlassen oder pragmatische Lösungen zu finden. 

Die wichtigsten Maßnahmen, die Kommunen schnell ermöglicht werden sollten, sind:

  • Gehwege temporär verbreitern: Wo Fußwege zu schmal sind, sollten sie durch Abmarkierungen auf den Fahrbahnen erweitert werden. Auch das Verlegen von Hochbordradwegen und Parkplätzen von den Fußwegen auf die Fahrbahnen hilft schnell und einfach, um Fußwege zu verbreitern.
  • Verlegung von Radverkehr auf die Fahrbahn: Wo Radverkehr derzeit über Gehwege geführt wird, kann er auf die Fahrbahn verlegt werden, damit Platz auf Fußwegen geschaffen wird. Dazu eignen sich sowohl temporäre Radstreifen als auch die Einrichtung von temporären Fahrradstraßen. 
  • Temporäre Radfahrstreifen auf der Fahrbahn: Breite und gut erkennbare temporäre Radstreifen (Pop Up Bike Lanes) helfen auch Neu-Radfahrenden, sichere Wege durch die Stadt zu finden. 
  • Straßen für den Rad- und Fußverkehr öffnen: Die Umwandlung ausgewählter Straßen in Zonen ohne Autoverkehr bzw. mit stark reduziertem motorisierten Verkehr schafft zusätzlichen Platz und Verkehrssicherheit.
  • Temporäre verkehrsberuhigte Straßen: Maßnahmen wie der Einsatz modaler Filter oder Verengungen der Fahrbahn können kurzfristig Wirkung zeigen. So können sich Radverkehr und zu Fuß gehende Menschen bestmöglich auf der Straße verteilen und Bewegung vor der Tür in ausreichendem Abstand zu anderen Menschen wird möglich. Provisorische Verkehrsberuhigung hilft auch bei der Entlastung von Parks und zur Ermöglichung von Bewegung ohne Ansteckungsgefahr. 
  • Bettelampeln“ umprogrammieren: Durch eine Vorrangschaltung für den Rad- und Fußverkehr wird das Berühren des Ampelknopfes sowie das Bilden von Gruppen, die auf Grün warten, vermieden. 
  • Grünphasen für nicht-motorisierten Verkehr verlängern: Da aktuell deutlich mehr Menschen auf Fahrrädern und zu Fuß unterwegs sind, braucht es für sichere Kreuzungssituationen mehr Zeit in den Grünphasen. Kurze Grünphasen sind kontraproduktiv, da viele Menschen sich eng zusammendrängen müssen, um die Straße rechtzeitig überqueren zu können. 
  • Temporäre Geschwindigkeitsreduktion: Korridore mit Tempo 30 reduzieren die Unfallgefahr und bewirken dadurch auch eine Entlastung des Gesundheitssystems. 
  • Märkten unter freiem Himmel mehr Platz geben: Wochenmärkte sollten auf angrenzende Flächen wie Straßen oder Parkplätze erweitert werden, um genügend Raum für Warteschlangen mit Abstand zu schaffen. 

Mit freundlichen Grüßen 

Christoph Neimög
Radentscheid Rostock
Horst Krumpen
ADFC LV MV e.V.
Claudia Lorenz
VCD Nordost e.V.
Madleen Kröner
Radentscheid Schwerin
Jacqueline Maslack
Rostock for Future
Gabriele Köpke
Fuss e.V. M-V
Samuel Morsbach
Greenpeace Rostock


Extinction Rebellion Rostock



22.03.2020: Fahrraddemo für Kinder – Kidical Mass #3 Macht Kindern Platz!

Nach mittlerweile zwei erfolgreichen kinderfreundlichen Fahrraddemos im letzten Jahr werden wir zum dritten Mal am 22.03.2020 ab 15.00 gemeinsam laut und bunt durch die Straßen der Hansestadt radeln.
Diese Kidical Mass findet im Rahmen einer bundesweiten Aktion statt, bei der am Wochenende in über 60 weiteren Städten Kidical Masses organisiert und diese von mittlerweile 91 Partner*innen unterstützt werden. Unser gemeinsames Motto ist „Platz da für die nächste Generation“.
Unsere gemeinsamen Forderungen sind:

  • Alle Kinder und Jugendlichen können sich sicher und selbständig mit dem Fahrrad in der Stadt bewegen.
  • Wir wollen für alle Menschen angstfreies Radfahren.
  • Nur eine Fahrradstadt ist eine kinderfreundliche Stadt
  • Tempo 30 für sicheren Straßenverkehr innerorts.

Mehr Informationen findet ihr auf der bundesweiten Internetseite.Wir möchten hiermit wieder allen kleineren und größeren Kindern und ihren Eltern die Gelegenheit bieten, für ihren Anteil an Platz im Straßenverkehr Rostocks zu demonstrieren. Ob auf dem Schulweg, dem Weg zur Kita, Spielplatz oder Familienausflug, immer mehr Eltern wünschen sich und ihren Kindern die Möglichkeit, diese Wege sicher mit dem Rad zurücklegen zu können. Diese Forderung tragen wir mit einer „Kidical Mass“ nach außen. Wir starten um 15.00 Uhr vom Doberaner Platz aus auf eine gesicherte und gemütliche Route; diesmal Richtung Reutershagen. Egal ob auf dem Kindersitz, Fahrradanhänger, im Lastenrad, oder allein unterwegs, Kindern und ihren Eltern wird die Möglichkeit geboten, zu zeigen, dass auch sie Anspruch auf Platz und Sicherheit im heutigen Stadtverkehr haben. Moderne Radwege, die allen eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr ermöglichen, machen nicht nur große und kleine Radfahrende glücklich, sondern bedeuten auch langfristig weniger Autostaus, weniger Abgase und Lärm, dafür mehr Platz und eine gesündere Umwelt für uns alle.
Liebe Kinder: Bringt auch gleich eure Geschwister, Eltern und Großeltern mit!

Kein Radweg ist keine Lösung

Der Radentscheid Rostock hat sich zu dem emotional geführten Konflikt bzgl. des geplanten Radweges in der Parkstraße in Rostock – Warnemünde bisher nicht explizit geäußert, da wir bislang davon ausgegangen sind, dass eine für alle Parteien befriedigende Lösung gefunden werden kann, da durchaus sinnvolle Lösungsansätze für diese Problemtik vorhanden sind.

Wir möchten, aufgrund der eingestellten Planung, an dieser Stelle unsere Position zum Thema „Bäume und Radwege“ noch einmal klarstellen. Mit den 10 Forderungen des Radentscheides ist es unser Ziel, die lokale Verkehrswende voran zu treiben, denn Radfahren ist gesund, schont das Klima, braucht wenig Platz und verursacht weder Lärm noch Abgase. Nicht weniger als ein entspanntes Miteinander, ein gesünderes Stadtklima, eine bezahlbare Mobilität sowie ein mehr an Lebensqualität für alle Rostocker*innen möchten wir mit dem gezielten Ausbau von Radwegen erreichen. Dieser Ausbau der Radwegeinfrastruktur ist jedoch nur eine Stellschraube und darf nicht einseitig zu Lasten von Fußverkehr oder ÖPNV erfolgen. Selbstverständlich steht ebenfalls der Erhalt und das vermehrte Anpflanzen von Bäumen in der Stadt, wo immer das möglich ist, diesem Ziel nicht entgegen. Die lebenswerte, menschen- und klimagerechte Stadt kann nur gedeihen, wenn wir auf umweltfreundliche Verkehre und gleichzeitig auf den Erhalt und den Ausbau von Stadtgrün setzen.

Wir möchten eindringlich davor warnen „Bäume“ gegen „Radverkehr“ auszuspielen. Es darf auf keinen Fall zu einem Gegeneinander mit verhärteten Fronten kommen sondern sollte bei einem konstruktiven Miteinander bleiben. Für uns haben sowohl Radwege wie auch Bäume eine gleichwertige Berechtigung in einer lebenswerten Stadt. Wir möchten, dass wo möglich, beides Hand in Hand in guter Qualität und Quantität verfügbar ist. In die Debatte zur Parkstraße waren wir als Radentscheid Rostock zu keiner Zeit involviert und haben bisher kein Statement für oder gegen die öffentlich bekannten Varianten abgegeben. Gleichwohl sehen wir in den vorgeschlagenen Alternativen geeignete Diskussionsgrundlagen, um diesen Konflikt für alle beteiligten Parteien zu befrieden. Wichtig ist dabei aber, dass ein Mischverkehr unter allen Umständen an dieser hochfrequentierten Stelle zu vermeiden ist. Wir sehen einen zwingenden Bedarf für einen normgerechten Zweirichtungsradweg (laut ERA 3 Meter Regelmaß für einseitigen Zweirichtungsradweg). Dieser scheint auch bei den vorgeschlagenen Alternativen umsetzbar.

Das Wohl und die Gesundheit alle Verkehrsteilnehmenden kann bei einem Mischverkehr nicht sichergestellt werden, auch nicht bei Tempo 30. Bei einer Zusammenführung von Auto- und Radverkehr oder Rad- und Fußverkehr hat jeweils der schwächere Verkehrsteilnehmer das Nachsehen. Ferner möchten wir darauf hinweisen, dass die Parkstraße ein mindestens gleichwertig starkes Verkehrsaufkommen wie die angrenzende Richard-Wagner-Straße, in der es im Nov. 2019 zu einem tödlichen Verkehrsunfall kam, aufweist. Politik, Verwaltung und wir als Bürgerinitiativen müssen sensibel auf das Thema Radwege und Bäume schauen, damit sinnvolle Maßnahmen im Rahmen des Klimaschutzes nicht gegeneinander ausgespielt werden und es nicht zu immer weiteren zeitlichen Verzögerungen kommt.

Die Bürgerschaft der Hanse- und Universitätsstadt Rostock hat sich 2019 eindeutig für den Ausbau der Radwegeinfrastruktur sowie mit dem Ausrufen des Klimanotstandes eindeutig für die Umsetzung von lokalen Klimaschutzmaßnahmen ausgesprochen. Ein geeigneter und sicherer Fahrradweg in der Parkstraße dient diesen Zielen. Wir als Radentscheid Rostock sind gerne bereit, an dieser Stelle mit Blick auf Radverkehrssicherheit und Klimaschutz beratend zu unterstützen.

8366 Unterschriften für ein fahrradfreundliches Rostock!

Am Mittwochnachmittag direkt vor der entscheidenden Bürgerschaftssitzung am 06. November war es so weit: Wir enthüllten, wie viele Rostockerinnen und Rostocker die Forderung nach einer fahrradfreundlichen Stadt unterstützen. 8366 Bürger*innen haben für das Bürgerbegehren unterschrieben. Von April bis Oktober informierten wir bei diversen Festen, Veranstaltungen und Demos über den Radentscheid und sammelten Unterschriften. Zudem gab es überall in der Stadt Sammelstellen, an denen Interessierte ihre Unterschrift abgeben konnten. So bekam wir Unterstützung vom lokalen Einzelhandel, von Unternehmen, Schulen, Kindertagesstätten, Vereinen, Umweltverbänden, Cafés, Restaurants, Banken, Arztpraxen und engagierten Privatpersonen.

Diese enorme Zustimmung zeigt: Die Menschen sehnen sich nach sicheren Radwegen. Wir freuen uns, dass die Bürgerschaft dem Wunsch der vielen tausend Rostockerinnen und Rostockern nachkommt und unsere Ziele übernimmt. Wenn sich die Bedingungen für Radfahrende nun deutlich verbessern, ist ein Bürgerentscheid damit nicht mehr nötig. So kann die Stadt schneller mit der Umsetzung unserer Ziele beginnen und schon im nächsten Jahr damit anfangen, dringend benötigte Radinfrastruktur zu bauen.

Die Bürgerschaft beauftragt den Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen damit, die zehn Ziele des Radentscheid Rostock möglichst weitgehend umzusetzen. Der Oberbürgermeister hatte die Förderung des Radverkehrs bereits kurz nach der Wahl zur Priorität seiner Amtszeit erklärt.

Vielen Dank an alle Unterstützer*innen, Sammler*innen, und jede*n Einzelne*n, die oder der für den Radentscheid unterschrieben hat.

06.11. Verkündung der Unterschriftenzahl vor Bürgerschaftssitzung

Am 06.11. ist es soweit:
In der Bürgerschaft wird der Antrag behandelt, bei dem der Oberbürgermeister beauftragt werden soll, einen Maßnahmenkatalog zur Förderung des Radverkehrs zu erstellen, der unsere Ziele weitestgehend berücksichtigt.

Wir wollen dies zum Anlass nehmen, um zu veröffentlichen, wie viele Unterschriften wir bisher gesammelt haben, um der Bürgerschaft zu verdeutlichen, wie viele Rostockerinnen und Rostocker sich bessere Radinfrastruktur wünschen.

Kommt alle um 15:30 Uhr zum Neuen Markt und bringt eure Fahrräder mit!