Kidical Mass Petition

Die Kidical Mass hat die Vision, dass sich alle Kinder und Jugendlichen sicher und selbstständig mit dem Fahrrad bewegen können. „Platz da für die nächste Generation“ lautet das Motto mit der Prämisse, dass kinderfreundliche Städte allen Menschen guttun.

Die Kidical Mass fordert kinder- und fahrradfreundliche Orte im ganzen Land – sowie ein kinder- und fahrradfreundliche Hanse- und Universitätsstadt Rostock.

1. Sichere Schulradwege-Netze in Rostock bis 2030
2. Schulstraßen und verkehrsberuhigte Bereiche vor Schulen und Kitas in Rostock
3. Stetige jährliche Finanzierung mit konkreten Zielvorgaben an die Kommunen
4. Kinderfreundliches Straßenverkehrsrecht, v.a.:

‣ Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts
‣ geschützte, breite Radwege an Hauptstraßen
‣ Spielstraßen
‣ Wohngebiete ohne Durchgangsverkehr
‣ Vision Zero (null Verkehrstote)

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Warum ist das wichtig?

Die Radinfrastruktur in der Hanse- und Universitätsstadt Rostock ist für Kinder und Jugendliche sehr schlecht. „Würde ich mein Kind allein Radfahren lassen?“ Die Frage wird durchweg mit „Nein!“ beantwortet. Das „Elterntaxi“ ist in aller Munde. Bewegungsradius und motorische Fähigkeiten von Kindern sinken. Dabei wollen sie eigenständig mobil sein. Dazu braucht es sichere Radwege. Politik und Verwaltung fehlt es an positiver Resonanz aus der breiten Bevölkerung.

Deshalb erobern beim Kidical Mass Aktionswochenende am 18. & 19. September 2021 Zehntausende Radfahrende in über 120 Städten in ganz Deutschland die Straßen. Anlass ist die Bundestagwahl, die eine Woche später stattfindet.

Die Kidical Mass ist eine weltweite Bewegung. Seit 2017 gibt es sie auch in Deutschland. Bei bunten Fahrraddemos erobern Radfahrende von 0 bis 99 Jahren die Straße. Das Format hat Kinder und nachhaltige Mobilität im Fokus und setzt sich für lebenswerte Städte ein.

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IHK Umfrage zu Tempo 30

Mehrheit für deutlich mehr T30 auf Rostocks Straßen

In ihrem Newsletter vom 29.7.2021 bat die Industrie- und Handelskammer zu Rostock ihre Mitglieder um Teilnahme an einer Umfrage unter dem Titel „Rostock als Tempo-30-Zone?“ Wir könnten uns jetzt über das Framing und die unpräzise Fragestellung beschweren. Denn es besteht ein wesentliche Unterschied zwischen einer Tempo-30-Zone (rechts-vor-links) und einer Regelgeschwindigkeit von 30 km/h. Eine Regelgeschwindigkeit lässt wie bisher auch Ausnahmen nach oben wie nach unten zu. Wenn in der öffentlichen Debatte über Tempo 30 diskutiert wird, sprechen die Befürworter:innen über die Regelgeschwindigkeit und die Gegner versuchen über grobe Vereinfachung Stimmung gegen die sinnvolle Maßnahme zu machen.

Aber darum soll es nicht gehen. Die Umfrage sollte bis zum 30. Juli offen sein und lieferte bis dahin ein eindeutiges Ergebnis. In allen Teilnehmergruppen – die IHK unterteilt die Teilnehmer in Unternehmer, Arbeitnehmer sowie Schüler/Studenten – spricht sich eine deutliche Mehrheit für mehr Tempo 30 auf Rostocks Straßen aus.

Im Sinne der Fragestellung „Rostock als Tempo-30-Zone“ sprechen sich 46% aus der Gruppe der Unternehmer:innen für Tempo 30 und weitere 13% für Tempo 30 in bestimmten Bereichen aus – also zusammen 59% für Tempo 30. Nur 40% sind dagegen. In der Gruppe der Arbeitnehmer:innen sind 38% dafür, 50% in bestimmten Bereichen – also zusammen sagehafte 88% für Tempo 30. Mickrige 11% gegen Tempo 30. In der Gruppe der Student:innen sprechen sich 45% für Tempo 30 aus, 22% in bestimmten Bereichen – auch hier zusammen 67% für Tempo 30. Nur 31% dagegen.

Die Umfrage blieb auch nach dem angekündigten Termin online und offen zur Abstimmung. Am 3. August wurde dann der 6. August als Endtermin der Umfrage genannt. Ob das Ergebnis nicht den Erwartungen entsprach oder ursprünglich versehentlich ein falscher Endtermin genannt wurde, bleibt unklar.

(Es spielt auch keine Rolle die Teilnehmer:innen der Umfrage ändern ihre Meinung nämlich nicht.)

Am 6. August konnte mittags folgender Stand abgerufen werden: in der Gruppe der Unternehmer:innen stimmen 47% dafür, weitere 16% in bestimmten Bereichen, zusammen also 63% für Tempo 30. Nur 35% sind dagegen . Von den Arbeitnehmer:innen sind 45% dafür, 40% in bestimmten Bereichen, zusammen weiterhin sagehafte 85% für Tempo 30. Nur 14% dagegen. In der Gruppe der Student:innen sprechen sich 52% für Tempo 30 aus, 20% in bestimmten Bereichen, auch hier zusammen 72% für Tempo 30. Nur 28% sind dagegen (JU ;))

Am nächsten Tag war unter dem Link keine Umfrage mehr abrufbar und somit kein Endergebnis einzusehen. Nach unserem Kenntnisstand hat die IHK zu Rostock auch kein Ergebnis veröffentlicht – vielleicht weil es nicht der bisherigen Außendarstellung entspricht. Aber es wurde versprochen: „Die Ergebnisse werden Einfluss finden in künftige Gespräche mit der Stadtverwaltung.“ Wir sind gespannt, aber eines ist nun klar die IHK wird sich in Zukunft nicht mehr gegen seine Mitglieder stellen können. Die Zeiten der autozentrischen Forderungen wird ein Ende haben. Ja, die IHK wird zu klar zur Regelgeschwindkeit von Tempo 30 in Rostock bekennen und das mit möglichst wenig ausnahmen (Stadtautobahn). Versprochen!

Kidical Mass #6 am 19.09.2021

Radentscheid Rostock organisiert Kinder-Fahrraddemo durch die Innenstadt

Am Sonntag, den 19. September 2021, findet in Rostock die sechste Kidical Mass statt. Am Wochenende gehen in über 130 Städten Kinder und ihre Familien für ein neues Verständnis von Mobilität auf die Straße. Eine Woche vor der Bundestags- und Landtagswahl fordern sie ein inklusives und kinderfreundliches Straßenverkehrsrecht und mehr Platz auf den Straßen für die nächste Generation.

Die als Demo angemeldete Fahrradtour in kinderfreundlichem Tempo startet um 15 Uhr auf dem Neuen Markt, wo sie rund eine Stunde später auch wieder endet. Die Fahrraddemo ist Bestandteil des Klimaaktionstags in der Langen Straße. Alle kleinen und großen Radfahrer sind eingeladen, mitzuradeln.

Malte Brockmann vom Radentscheid Rostock sagt anlässlich des bundesweiten Aktionswochenendes: “Kinder dürfen nicht mehr auf der Straße spielen. Teilweise wird es ihnen verboten, zur Schule zu radeln. Des Öfteren werden Eltern als fahrlässig beschimpft, weil sie ihre Kinder selbständig zur Schule fahren oder laufen lassen.”

Marie Heidenreich vom Radentscheid Rostock ergänzt: “Die Verkehrsinfrastruktur ist für das Auto gemacht. Radwege sind oft viel zu schmal, holprig oder gar nicht vorhanden. Auch Kreuzungen und Einmündungen sind selten für den Radverkehr ausgelegt und darum passieren hier die meisten Unfälle. Eltern und Kinder trauen sich daher teilweise nicht einmal kurze Strecken auf dem Rad zu, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.”

Dass es auch anders geht, möchte der Radentscheid mit der Kidical Mass zeigen. “Wir plädieren für neues Verständnis von Mobilität: vom verkehrsgerechten Kind zum kindgerechten Verkehr”, so Heidenreich. Die Kidical Mass möchte Lust auf Veränderungen machen. Denn Straßen sollen Menschen nicht gefährden – sie sollen Menschen verbinden.

“Wir wollen, dass sich alle Kinder und Jugendlichen sicher und selbständig mit dem Fahrrad bewegen können”, so Brockmann. “Die Bedürfnisse von Kindern im Verkehr sollen im Fokus stehen: Platz und Sicherheit.”

Einfache Lösungen, die schnell und kostengünstig umgesetzt werden können, gibt es zahlreich. Der Radentscheid Rostock weist darauf hin, dass die entsprechenden Studien in den Nachbarländern bereits durchgeführt wurden. Auch viele Kommunen sind bereit zur Tat – leider fehlen immer noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen, klare Ziele, langfristige Finanzierungsmöglichkeiten und Personal.

Deswegen appelliert der Radentscheid Rostock gemeinsam mit dem bundesweiten Aktionsbündnis an die neue Bundesregierung: Diese müsse jetzt ein klares Zeichen pro Verkehrswende setzen – mit einem kinderfreundlichen Straßenverkehrsrecht. Dazu gehört an erster Stelle die Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts.

Kurzfristig muss die Infrastruktur rund um Schulen und Kitas kindgerecht gestaltet werden: Schulstraßen, d.h. Straßensperrungen zu Schulbeginn und -ende führen unmittelbar zu mehr radelnden und laufenden Kindern. Diese Situation soll mittelfristig weiter verbessert werden, indem Schulen durch sichere Schulradwege-Netze angebunden werden.

Die Forderungen des Kidical Mass Aktionsbündnis an die neue Bundesregierung lauten:
Sichere Schulradwege-Netze bis 2030
Schulstraßen und verkehrsberuhigte Bereiche vor Schulen und Kitas
Stetige jährliche Finanzierung mit konkreten Zielvorgaben an die Kommunen
Kinderfreundliches Straßenverkehrsrecht: Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts, geschützte und baulich getrennte, breite Radwege an Hauptstraßen, geschützte Kreuzungen, Spielstraßen, Wohngebiete ohne Durchgangsverkehr, Umsetzung der Vision Zero (null Verkehrstote)

Kidical Mass #5 am 15.08.2021

Der Radentscheid Rostock lädt a

Wir laden am Sonntag zum fünften Mal zu einer Fahrradtour speziell für Kinder ein, einer sogenannten Kidical Mass.
Mit der Kidical Mass demonstrieren wir für eine kinderfreundliche Fahrradstadt. Die Erfahrung der letzten Demos zeigt, dass die Kinder es lieben, endlich einmal mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren ohne von Autos gefährdet zu werden.
Die Fahrradtour ist extra kinderfreundlich gestaltet, sodass schon die Kleinsten auf dem Laufrad mithalten können. Wir fahren ein langsames Tempo um die 7 km/h und achten darauf, dass alle mitkommen. Viele Kinder sind aber auch schon auf dem eigenen Fahrrad unterwegs. Auch Kinder auf dem Kindersitz, im Lastenrad oder im Fahrradanhänger sind herzlich willkommen.

1.625 Menschen haben unsere Petition „Lange Straße – fahrradfreundlich!“ unterschrieben.

Über 500 Kommentare zeigen eindrücklich, wie groß der Leidensdruck von Radfahrer*innen in der Langen Straße ist. Wir fordern von der Stadt, unseren Vorschlag jetzt umzusetzen: Radfahrer*innen auf die eine Seite der Schienen, Autos auf die andere! 1625 Menschen sagen: Wir akzeptieren die tägliche Gefährdung nicht länger!

Hier ein kurzer Auszug aus den Kommentaren:

Online-Petition: Lange Straße – fahrradfreundlich!

Radfahren in Rostock muss entspannt und sicher für alle Menschen möglich sein. Dies ist der Kern des Bürgerbegehrens “Radentscheid Rostock”.

Um sofort und sehr konkret eine erste Konfliktzone in der Innenstadt zu verbessern, wenden wir uns mit dieser zusätzlichen Petition als Radentscheid Rostock zusammen mit Greenpeace Rostock und dem Verkehrsclub Deutschland – Ortsgruppe Rostock an den Senator für Infrastruktur, Umwelt und Bau Holger Matthäus: Setzen Sie sich dafür ein, dass ein Zweirichtungsradweg in der Langen Str. ein vom Autoverkehr getrenntes sicheres Radfahren möglich macht!

Warum eine Umgestaltung der Langen Straße notwendig ist:

Vor ca. 2 Jahren wurde der Radfahrstreifen in der Langen Straße der Hanse- und Universitätsstadt Rostock aufgehoben. Begründet wurde die Aufhebung mit Unfällen und Konflikten, so etwa, wenn parkende Kfz in schräg angeordneten Parkbuchten beim Ein- und Ausparken den Radfahrstreifen kreuzten. Seit dem werden Radfahrende und Kfz im Mischverkehr geführt, was die Gefahr für Radfahrende aber nicht mindert.

Die Fahrbahnbreite reicht nicht aus, um Radfahrende mit mindestens 1,5 m Abstand zu überholen: Es kommt zu Bedrängungen, Hupen, brenzligen Überholmanövern und sogar Unfällen mit Personenschaden. Das führt dazu, dass sich viele Radfahrende nicht trauen, die Fahrbahn zu nutzen, sondern regelwidrig auf der gesperrten Radfahrspur fahren, was ihnen im Falle eines Unfalles mit einem parkenden Kfz eine Mitschuld gibt. Andere weichen auf den Gehweg aus, was zu Konflikten mit Fußgänger*innen führt.

Der Radentscheid Rostock und Greenpeace Rostock haben deshalb in der Vergangenheit durch verschiedene Aktionen auf die Missstände aufmerksam gemacht. Mehrfach wurde mit Poolnudeln [1] wurde der Mindestüberholabstand veranschaulicht, woraus für Autos ein Überholverbot folgt: Es ist schlichtweg zu wenig Platz zum regelkonformen Überholen. Auch wenn daraufhin von der Stadt grüne Verkehrszeichen, mit dem Hinweis Radfahrende mit 1,50m Abstand zu überholen, aufgestellt wurden, bleibt der Irrtum, dass man überhaupt überholen darf. Auf entsprechende Kritik hin wurden diese Schilder somit wieder entfernt.

Des Weiteren wurde vom Radentscheid Rostock ein öffentlicher Workshop veranstaltet, eine fahrradfreundliche Version der Langen Straße zu entwickeln.

Die Ergebnisse daraus wurden beim Klimaaktionstag in der Langen Straße im September 2019 vorgestellt. [2]

Bei der Auswahl aus 2 vorgestellten Varianten haben sich ca. 1000 Personen offline und online via Social Media geäußert, welche Variante sie bevorzugen würden. Die Mehrheit stimmte für einen Zweirichtungsradweg auf der Fahrbahn zur Innenstadt hin, sodass Radverkehr und Autoverkehr zukünftig voneinander getrennt sind.

Außerdem waren Vertreter:innen des Radentscheids im Dezember 2019 im Ortsbeirat Stadtmitte zu Gast, um die Ergebnisse vorzustellen. Auch hier gab es überwiegend positive Resonanz.

Seitdem gibt es jedoch von Seiten der Stadt Rostock keine Entwicklung, um die Situation vor Ort zu entschärfen.

Und dies obwohl eine Neuaufteilung des öffentlichen Raums dringend notwendig ist: Immer mehr Menschen fahren mit dem Rad und müssen die Möglichkeit haben, egal ob alt oder jung, sicher durch die Innenstadt fahren zu können.

Unterschreiben Sie für ein bequemes und sicheres Radfahren durch die Stadtmitte, parallel zur Einkaufstraße „Kröpeliner Straße“. Unterschreiben Sie für Lebensqualität auf den Straßen – mehr Platz und weniger Abgase beim Radeln! Schaffen wir gemeinsam eine gerechte Infrastruktur in unseren Städten!

[1] radentscheid-rostock.de/2018/11/19/poolnudel-aktion-in-der-lange-strasse-rostock/

[2] radentscheid-rostock.de/2019/10/27/lange-strasse/

Begründung

Die südseitige Fahrbahn der Langen Straße wird für den Kfz-Verkehr gesperrt und zu einer Fahrradstraße, die beidseitig befahrbar ist. Dadurch reichen Zebrastreifen statt Ampeln an den Fußquerungen. Der Kfz-Verkehr findet ausschließlich auf der nordseitigen Fahrbahn beidseitig statt.

Ein Teil der wegfallenden Parkplätze kann eventuell durch den Wegfall der Quader zur Tramseite kompensiert werden.

Außerdem wird ein weiterer Durchbruch der Tramlinie auf Höhe Jacobi-Kirche nötig, damit das Parkhaus auf dieser Seite noch erreichbar ist.

Vorteile:

  • Trennung der Verkehrsarten durch Fahrradstraße, die durch Kfz nicht befahrbar ist
  • Radfahrende atmen weniger Abgase ein und ein Überholen ist sicher möglich
  • Platz für andere Nutzungen wird frei

Die Petition kann direkt hier unterschrieben werden:



Kidical Mass #4 am 20.09.2020

Klappe, die vierte! Nach dem tollen Erfolg der ersten Rostocker Kidical Masses in 2019 und 2020 wollen wir zum vierten Mal gemeinsam durch die Straßen der Hansestadt fahren und allen Kindern die Gelegenheit bieten, für ihr Recht auf ein sicheres Radwegenetz zu demonstrieren. Mit der Idee der ‚Critical Mass‘ wird einmal im Monat in vielen Städten der Welt für bessere Radfahrbedingungen protestiert. Am Sonntag, den 20. August 2020, wollen wir vom Neuer Markt aus auf eine gemütliche und kinderfreundliche Route durch Rostock aufbrechen, bei der es wieder heißt: ‚Kinder auf’s Rad!‘ Liebe Kinder, bringt auch gleich eure Geschwister, Eltern und Großeltern mit.

Egal, ob im Lastenrad, auf dem Kindersitz, Fahrradanhänger oder schon alleine unterwegs: kommt vorbei – denn wir wollen zeigen, wer im Stadtverkehr dringend besseren Schutz durch sichere und moderne Radwege braucht. Wenn sich alle auf den Fahrradwegen Rostocks wohlfühlen und zügig vorankommen, heißt das auch: weniger Autostaus, Dreck und Lärm, und mehr Platz und eine gesündere Umwelt für uns alle. Lasst uns gemeinsam unsere Stadt aktiv gestalten!

Wir vom Radentscheid Rostock freuen uns auf euch!

Offener Brief an den Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock: Fahrradstadt Rostock erfordert Taten statt Worte!

Da unser Brief vom 12. August 2020 an Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen leider unbeantwortet geblieben ist und trotz seiner vielfachen Ankündigung der „Fahrradstadt Rostock“ keine konkreten Maßnahmen erfolgen, um die Situation für Radfahrer*innen in Rostock zu verbessern und Gefahrenstellen zu beseitigen, sehen wir uns gezwungen, mit diesem Brief an die Öffentlichkeit zu gehen.

Lieber Claus, 

8366 Bürger*innen unserer Stadt haben für die Ziele des Radentscheids unterschrieben und fordern die Fahrradstadt Rostock. Auch du bezeichnest die Fahrradstadt Rostock gegenüber der Presse immer wieder als deine wichtigste Priorität. Nicht zuletzt hat die Bürgerschaft der Stadt Rostock im November 2019 den Beschluss gefasst, dass die Stadt Rostock die Ziele des Radentscheids übernimmt und die dir unterstellte Stadtverwaltung mit der Umsetzung beauftragt.

In der ersten gemeinsamen Verhandlungsrunde mit der Stadt habe wir uns gemeinsam auf eine Liste von Sofortmaßnahmen geeinigt, welche schnellstmöglich umgesetzt werden sollen. Wir freuen uns darüber, dass die Verwaltung umstrukturiert und das neue Amt für Mobilität geschaffen wurde, um Rostock schneller und effektiver zur Fahrradstadt zu machen. 

Leider hat sich jedoch aus unserer Sicht in den letzten Monaten auf Rostocks Straßen nichts verbessert. Uns ist bewusst, dass die komplette Planung und der Bau eines Radwegs einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Allerdings gibt es zahlreiche Maßnahmen – von denen viele auch als Sofortmaßnahme verabschiedet wurden – die innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen umgesetzt werden könnten. Dazu zählen z.B. Tempo 30 an besonders gefährlichen Straßen ohne einen separaten Radweg (z.B. Carl-Hopp Straße, Hundertmännerstraße), die Aufstellung der neuen Überholverbotsschilder z.B. in der Langen Straße und die Errichtung von Pop-up Bike Lanes unter Nutzung von überflüssigen Pkw-Spuren oder Parkplätzen. 

Wir vermissen von der Rostocker Verwaltung ein klares Signal, dass es wirklich ernst gemeint ist mit der Fahrradstadt Rostock. Hierzu zählt zum Beispiel auch, dass Baustellen so abgesichert werden, dass Radfahrer*innen nicht dadurch in Lebensgefahr gebracht werden, dass Schutzstreifen abrupt enden und ein plötzlicher Wechsel in den Kfz-Verkehr nötig ist. Es kann nicht sein, dass solche Selbstverständlichkeiten erst auf massiven öffentlichen Druck hin umgesetzt werden.

Überall auf der Welt und in Deutschland gibt es Städte, die zur Zeit konsequente und mutige Schritte hin zu einer gerechteren Aufteilung des Verkehrsraums und einer lebenswerten Stadt unternehmen. Wie sich in Paris gezeigt hat wird das von den Menschen auch bei Wahlen honoriert. Es ist alleine eine Frage des politischen Willens auch in Rostock endlich mit einer wirklich fahrradfreundlichen Politik zu beginnen.

Wir fordern dich auf, den Bürgerschaftsbeschluss und somit die Ziele des Radentscheids schnellstmöglich umzusetzen. 

Ganz konkret haben wir folgende Forderungen:

  1. Umsetzung der 10 Ziele des Radentscheids
  2. In Verhandlungen mit der Stadt haben die Stadtverwaltung und Vertreter*innen des Radentscheids, ADFC und des Fahrradforums eine Liste mit Sofortmaßnahmen erarbeitet. Diese Sofortmaßnahmen betreffen akute Gefahrenstellen im Rostocker Verkehr, die wie der Name schon sagt, sofort beseitigt werden müssen. Wir fordern dich auf, die Umsetzung dieser Maßnahmen sofort zu veranlassen. 
  3. Die Schaffung von Pop-Up-Radwegen an Straßen ohne bzw. mit sehr schmalem Radweg: Parkplätze und Kfz-Spuren werden zu Radwegen. Dass diese Pop-Up-Radwege rechtssicher umzusetzen sind, hat mittlerweile auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags in einem aktuellen Gutachten bestätigt.
  4. Erarbeitung eines Planungsleitfadens für zukünftige Radinfrastruktur in Zusammenarbeit mit Vertreter*innen des Radentscheids, Festlegung von Mindeststandards
  5. Die Baustellensicherung in Zukunft für Radverkehr und Fußgänger*innen sicher machen. Dazu sollten in Zusammenarbeit mit uns Standards festgelegt werden. Aktuell noch bestehende Gefahren müssen umgehend beseitigt werden.
  6. Darüber hinaus steht der lange angekündigte Runde Tisch zur Langen Straße aus. Dieser muss umgehend durchgeführt werden. Die Situation in der Langen Straße ist nicht länger haltbar. Bis zur Umgestaltung der neuen Straße muss sofort das neue “Überholen von Radfahrern verboten”-Schild aus StVO-Novelle aufgestellt werden.

Sollten wir bis zum 18.08.2020 keine Antwort von dir erhalten oder sollten sich die Bedingungen für den Radverkehr in den nächsten acht Wochen nicht spürbar verbessern, bleibt uns nur, die Unterschriftensammlung für die Ziele des Radentscheids fortzusetzen und einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

Lass Rostocks Radverkehr nicht baden gehen!

Die Vertreter*innen des Radentscheid Rostock

offener Brief an Umweltsenator: Mobilitäts- und Umweltorganisationen unterstützen die Pläne für eine neue Art der Mobilität in Warnemünde

Sehr geehrter Herr Umweltsenator Matthäus,

wir schreiben Ihnen heute, um unsere Zustimmung zu Ihren Plänen, die wir aus dem Artikel “Warnemünde bald ohne Autos im Zentrum? So soll es funktionieren” in der Osteezeitung vom 14.07.2020 entnommen haben, zu signalisieren. Ihr Vorhaben ist ein Segen für die Stadt. Die Vision der Hanse- und Universitätsstadt Rostock den Stadtteil Warnemünde durch ein geändertes Mobilitätskonzept zu einem autoarmen Stadtteil umzugestalten, ist der Weg in die richtige Richtung. Warnemünde hat damit die einmalige Chance sich als Vorreiter der Urlaubsorte zu zeigen und seinen Gästen eine Stadt für Menschen zu präsentieren. 

Die Bauweise unserer Städte beeinflusst direkt das Wohlbefinden der Einwohner:innen. Menschen, die an weniger befahrenen Straßen leben, haben ein breiteres soziales Umfeld. Als Kind auf dem Gehweg zu spielen, oder sich mit Bekannten an der Ecke zu unterhalten wird durch das hohe Verkehrsaufkommen empfindlich gestört. Eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens steigert somit umgehend das Sozialkapital, denn durch den gewonnenen Raum entsteht mehr Platz für Gemeinschaft.  

Durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) werden giftige Partikel in unsere Städte eingebracht. Jede Reduzierung von Feinstaub und Stickstoffdioxid ist zwingend erforderlich, um unsere Städte lebenswert zu machen und unsere Gesundheit zu schützen. Denn Luftschadstoffe sind direkte Indikatoren für Asthma und weitere chronische Lungenerkrankungen sowie Diabetes und Schlaganfälle.

Neben Schadstoffen ist der MIV auch eine erhebliche Quelle für Lärmbelästigungen in unseren Städten. Lärm ist ein zusätzlicher Stressfaktor, welcher ab 80 db zu gesundheitlichen Langzeitschäden führen kann.

Die globale Klimakrise macht es erforderlich in erheblichen Ausmaße CO₂ einzusparen. Der Verkehrssektor ist mit ca. 18% auf Platz 3 der CO₂-Emittenten in Deutschland. Über die letzten Jahre ist innerhalb des Verkehrssektors jedoch keine Bereitschaft zu erkennen, einen Beitrag zu leisten, den CO₂-Ausstoß zu senken und die Klimaschutzziele zu erreichen. Obwohl es bereits jetzt viele Alternativen gibt. 

40% der Autofahrten liegen unterhalb von 5 km und 10% sogar unter 2 km. Diese Entfernungen sind prädestiniert für den Rad- und Fußverkehr. Durch Ihre Pläne, den MIV in Warnemünde zu reduzieren, stärken Sie gleichzeitig eine CO₂-freie Mobilität und diejenigen die trotzdem auf das Auto angewiesen sind, können sich auf ein geringeres Verkehrsaufkommen in Warnemünde freuen. Mit Ihren Plänen können Sie ein lokales Umdenken bewirken und zeigen, dass eine Verkehrswende möglich ist, nach dem Motto: „think global, act local“.

Auch der örtliche Einzelhandel wird von dieser Idee profitieren. Der Einzelhandel lebt in erheblichen Umfang von seiner lokalen Laufkundschaft. Der Werbeeffekt von Schaufenstern, um spontan in ein Geschäft zu gehen, greift jedoch nicht, wenn die Menschen mit dem Auto fahren. Angesprochen werden damit Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen. Hinzu kommt, dass ein Umstieg auf eine emissionsfreie Fortbewegung direkt das Einkommen der Menschen schont. Das daraus verfügbare zusätzliche Budget kann damit lokal in den Erwerb von Konsumgütern fließen. 

Mit Umsetzung Ihrer Pläne können sich die Einheimischen und die Besucher:innen

in Warnemünde über eine Reduzierung von Lärm, Stau und Luftverschmutzung freuen. Darüber hinaus steigert sich durch eine Reduzierung und Tempoverringerung des MIV automatisch die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer:innen. Ziel muss es sein, dass in Warnemünde und in ganz Rostock kein Mensch mehr im Straßenverkehr sterben muss oder schwer verletzt wird. Dass das möglich ist zeigen Städte wie Oslo oder Helsinki. 

Nach unserer Auffassung ist eine wirkliche Verbesserung der Verkehrssituation in Warnemünde nur möglich, wenn diese groß gedacht wird, um nicht in der Diskussion um die Einzelmaßnahmen das Ziel aus den Augen zu verlieren. Diesen großen Wurf haben Sie mit diesem Plan nun öffentlich gemacht und damit zur Debatte gestellt. Wir unterstützen Sie in diesem Vorhaben und stehen bei der Verwirklichung des Ziels “Warnemünde autoarm” hinter Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen 

Christoph Neimög
Radentscheid Rostock
Dr. Anette Boog
BI Rettet den Küstenwald
Annika Haß,
VCD OG Rostock
Greenpeace RostockXR, OG RostockRostock for Future
Michael Reitz
ADFC Rostock e.V.
Susanne Schumacher
BUND Rostock
Juliane Bäthge
NABU-Regionalverband
Mittleres-Mecklenburg e.V.